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Forschung läuft auf Hochtouren, Produktion von Desinfektionsmitteln verstärkt

Auf nationaler und internationaler Ebene unterstützen PHARMIG Mitglieder mit ganz unterschiedlichen Maßnahmen den Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Teils werden Produktionslinien umgestellt, Produktionskapazitäten erhöht oder es wird an Impfungen und Arzneimitteln geforscht. Das alles geschieht mit Hochdruck, gewohnt höchster Sorgfalt und, was die vielen Forschungsprojekte betrifft, in intensiver internationaler Abstimmung.

Coronavirus: Woran wird geforscht und welche Ansätze
werden in der Arzneimittelentwicklung geprüft?

Die Forschung an Arzneimitteln gegen das Coronavirus läuft auf Hochtouren. Geforscht wird in drei großen Bereichen: schnelle und zuverlässige Tests zum Nachweis des Virus, Impfstoffe sowie passgenaue Therapien gegen Covid-19. Die erhöhte Forschungstätigkeit bestätigt auch ein Blick in die Forschungsdatenbank „clinicaltrials.gov“. Aktuell finden sich dort knapp 100 Einträge von geplanten oder laufenden klinischen Studien, davon 64 zu Arzneimitteln oder Impfstoffen gegen das Coronavirus.

Im Folgenden geben wir einen kurzen Überblick, wie Mitgliedsunternehmen der PHARMIG in den Kampf gegen das Coronavirus aktiv sind. Weitere Informationen zu Forschung und Entwicklung finden Sie auch auf der Website des Verbands der forschenden Pharmaunternehmen - vfa (Deutschland).

AstraZeneca geht als Reaktion auf den Ausbruch des Virus eine Allianz mit internationalen Gesundheitsbehörden und Regierungen ein. Das Unternehmen stellt Behörden, einschließlich der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations (EFPIA) wissenschaftliche und technologische Expertise zur Verfügung. Vor allem intensiviert AstraZeneca seine Forschung, um neue Coronavirus-neutralisierende Antikörper zur vorbeugenden Behandlung von COVID-19 zu entdecken. Man konzentriert darauf, monoklonale Antikörper zu identifizieren und im Rahmen von klinischen Prüfungen zu bewerten.

Boehringer Ingelheim unterstützt in der Bekämpfung von COVID-19 und teilt sein Wissen in einzelnen Fachgebieten durch aktives Engagement in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF). Ziel des Projekts ist die Entwicklung antiviral neutralisierender monoklonaler Antikörper für die Therapie von COVID-19.

Bayer produziert ein Malariamedikament mit dem Wirkstoff Chloroquin, das die chinesischen Behörden in die Behandlungsempfehlungen für SARS-CoV-2 aufgenommen haben, in Pakistan. Das Unternehmen ist derzeit im Gespräch mit dem deutschen Bundesgesundheitsministerium, um Chloroquin nach Deutschland zu importieren. Jeglicher Export der in Pakistan hergestellten Tabletten in andere Länder ist derzeit nur mit einer entsprechenden Sondergenehmigung des Einfuhrstaats und der pakistanischen Regierungsbehörden möglich.

In enger Zusammenarbeit mit der Charité in Berlin wird mit dem deutschen Bundesgesundheitsministerium diskutiert, Chloroquin im klinischen Einsatz bei SARS-CoV-2-Patienten zu testen. Bisher wurde eine Wirkung von Chloroquin bei der Kontrolle von SARS-CoV-2 nur in einer in-vitro-Studie in China gezeigt. Wissenschaftliche Veröffentlichungen von Ergebnissen aus klinischen Studien sind noch nicht verfügbar.

Das US-Unternehmen Gilead untersucht gemeinsam mit den chinesischen Behörden, ob der gegen Ebola entwickelte Wirkstoff Remdesivir gegen das neue Coronavirus helfen kann. Es wird in klinischen Studien, an denen sich weltweit mehrere Dutzend Kliniken beteiligen, gegen Covid-19 getestet.

Lilly entwickelt gemeinsam mit AbCellera Biologics Antikörperprodukte für die Behandlung und Prävention von SARS-CoV-2, dem Virus, der COVID-19 verursacht. In ihrer Zusammenarbeit werden AbCellera und Lilly Antikörper ehemaliger COVID-19-Patienten als Grundlage zur Entwicklung einerAntikörpertherapie zur Behandlung und Prävention von COVID-19 verwenden.

Das Schweizer Unternehmen Roche hat in den USA mit der Auslieferung von SARS-CoV2 Schnelltests, die von der US-Gesundheitsbehörde FDA zugelassen wurden, begonnen. Das Unternehmen plant ein Liefervolumen von 400.000 pro Woche. Der Test wird demnächst auch im europäischen Raum verfügbar sein, dies sollte das Testen auf Infektionen mit Covid-19 massiv beschleunigen.

Sanofi und Regeneron beginnen mit ersten COVID-19-Behandlungsstudien bei Patienten, die mit schwerem COVID-19 hospitalisiert sind. Die Unternehmen starteten eine klinische Studie in einer späteren Phase mit bis zu 400 Patienten. Geprüft wird ein, für die Behandlung von Erwachsenen mit rheumatoider Arthritis bereits zugelassener, humaner monoklonaler IgG1-Antikörper.

Takeda initiiert die Entwicklung einer plasmabasierten Therapie für COVID-19. Ausgangsmaterial sind Hyperimmunglobulin-Präparate mit konzentriertem Inhalt von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 aus Plasma von Patienten, welche die Covid-19-Erkrankung überstanden haben.

Das Prinzip ist uralt (früher „Passivimpfung“): Der Mensch übersteht eine Infektionskrankheit vor allem dadurch, dass bald nach Ansteckung mit einem Keim, ob Viren oder Bakterien, eine Immunantwort in Gang kommt. Sie wird durch Antikörper vermittelt, anfänglich durch Immunglobulin M. Etwas später - nach etwa einer Woche - setzt die Produktion von spezifischen Immungloblulin G-Antikörpern durch B-Zellen ein (IgG). Dadurch wird die Infektion besiegt. Wieder Genesene ("Konvaleszente") tragen dann diese Antikörper im Blutplasma, diese schützen mehr oder weniger anhaltend vor weiteren Infektionen.

In der Praxis würden Covid-19-Patienten, welche die Infektion vollständig überstanden haben und gesundet sind, gebeten, Plasma zu spenden. Aus diesem Plasma werden durch Fraktionierung die Antikörper konzentriert und haltbar gemacht. Kranke Patienten sollen schließlich die Antikörper aus dem Plasma der wieder Gesunden in konzentrierter Form erhalten.

Im Gegensatz zur Zulassung neuer Wirksubstanzen als Arzneimitteln, ist die Sicherheit der Anwendung von schon zugelassenen Antikörperpräparaten im Menschen seit Jahren bewiesen. Man könne daher laut Takeda die klinische Erprobung mit kürzeren Studien und wenigen Probanden durchführen. Wenn also herkömmliche synthetische Arzneimittel gegen eine Infektionskrankheit nicht in Sicht sind, kann diese Therapie auf natürlicher Basis eine Alternative darstellen.

Coronavirus: Aktuell sind rund 40 Impfstoffprojekte angelaufen

Zu den 35 Projekten, die derzeit von der WHO gelistet werden, kommt das Projekt des in Deutschland beheimateten Unternehmens BioNTech, zwei Projekte des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF), ein Projekt des Konsortiums „Opencorona (geführt vom schwedischen Karolinska-Institut) und ein Projekt in Israel (Biological Research Institute).

BioNTech hat seine Partnerschaft mit Pfizer ausgeweitet und will gemeinsam die Entwicklung seines Impfstoffes gegen das Coronavirus vorantreiben. Die Vereinbarung bezieht sich auf die Entwicklung und die Vermarktung außerhalb Chinas. Ab sofort werden dafür Forschungseinrichtungen beider Unternehmen in den USA und Deutschland genutzt. Der Corona-Impfstoff soll im April in die klinische Erprobung am Menschen gebracht werden.


GSK wird bei Bedarf sein Know-how bei Zusatzstoffen beisteuern, die die Immunreaktion beim Einsatz von Impfstoffen verstärken können (Adjuvantien). Der Zugang zu den GSK Adjuvans-Technologie wird über CEPI, die Koalition für Innovationen in der Epidemievorsorge, oder direkt in bilateralen Abkommen gewährt.  Bisher hat das Unternehmen Vereinbarungen mit zwei Organisationen in Australien und China getroffen.

Janssen entwickelt in Partnerschaft mit dem Beth Israel Deaconess Medical Center (BIDMC) einen Impfstoff gegen Covid-19. Sie haben mit der präklinischen Prüfung verschiedener Impfstoffkandidaten begonnen, mit dem Ziel, bis Ende März 2020 einen Impfstoffkandidaten für klinische Studien auszuwählen. Janssen rechnet mit dem Start einer klinischen Phase I-Studie bis Ende des Jahres.

Sanofi Pasteur, die globale Impfstoffsparte von Sanofi, wird auf der Arbeit an einem Impfstoff gegen SARS, einem anderen Coronavirus, das Anfang der 2000er Jahre zirkulierte, aufbauen. Das Unternehmen arbeitet hier eng mit BARDA (Biomedical Advanced Research and Development Authority) zusammen, um den präklinischen Impfstoffkandidaten gegen SARS zum Schutz gegen Covid-19 zu bewerten.

Coronavirus: Bedarf an Desinfektionsmitteln decken

Bis zur Prävention oder Behandlung von SARS-CoV-2 eine Impfung oder ein Medikament zur Verfügung steht, sind umfassende Hygienemaßnahmen wichtiger denn je. Damit in medizinischen Einrichtungen der Bedarf gedeckt werden kann, unterstützen Unternehmen mit der erhöhten Produktion von Desinfektionsmitteln.

Gebro Pharma in Fieberbrunn/Tirol steigert seine Produktion von Hautdesinfektionsmitteln in zusätzlichen Schichten, um auf die Verknappung von Desinfektionsmitteln und den erhöhten Bedarf in Apotheken und Krankenhäusern zu steigern.

Menarini Pharma stellt seine Produktionsstätte in Florenz auf die Herstellung von Desinfektionsmittel um. Die 5 Tonnen Desinfektionsgel die so zusätzlich produziert werden, sollen in ganz Italien kostenlos von der nationalen Abteilung für Katastrophenschutz Italiens verteilt werden.

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