• Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs
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Arzneimittelmarkt

Arzneimittelmarkt

Die pharmazeutische Industrie ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. 2018 wurden in Österreich rund 234 Millionen Arzneimittelpackungen in einem Gesamtwert von 4,4 Milliarden Euro verkauft.

Rund ein Drittel des Umsatzes erzielte die Industrie mit Krankenhäusern, zwei Drittel aus dem Verkauf in öffentlichen Apotheken und durch hausapothekenführende Ärzte.

Der Umsatz ist im Vergleich zu 2017 insgesamt um 4,3 % gestiegen. Am Apothekenmarkt betrug das Wachstum 4,4 %. Während die Preise der bereits am Markt befindlichen Medikamente in diesem Sektor um 2,6 % gesunken sind, haben andere Faktoren zum Wachstum beigetragen: Den größten Anteil hatten „Struktureffekte“. Darunter werden etwa veränderte Verschreibungsgewohnheiten oder der Ersatz eines Medikaments durch ein anderes zusammengefasst. Dazu gehört auch eine mengenmäßige Steigerung des Verbrauchs bei bestehenden Therapieformen. Die Nachfrage steigt insbesondere deshalb, weil der Anteil der Älteren in Österreich ständig größer wird: Die Ärzte verschreiben rund 65 % aller Arzneimittel an Patienten, die über 60 Jahre alt sind (sie machen nur ein Viertel der Gesamtbevölkerung aus).
Innovative, neu auf den Markt gebrachte Medikamente trugen 2018 nur zu 0,6 % des Wachstums bei. (Quelle: IQVIA DPMÖ next level 2018)

Arzneimittelmarkt nach Altersgruppen | © Pharmig - Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs, 2019

Versorgungsstruktur

Für Patienten in Österreich sind Medikamente durch ein dichtes Netz von fast 1.400 Apotheken einfach und praktisch flächendeckend verfügbar. Ein leistungsfähiger Großhandel sorgt dafür, dass Medikamente in kürzester Zeit in jeder Apotheke des Landes zur Verfügung stehen.

Arzneimittelversorgungstruktur | © Pharmig - Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs, 2019

In Österreich ist die Arzneimittelversorgung über die Verteilerkette

  • Pharmaunternehmen
  • Arzneimittelgroßhandel
  • abgabeberechtigte Stelle
  • Patient

abgedeckt. Pharmaunternehmen können der Hersteller selbst oder nationale Vertriebsunternehmen sein. Zu den abgebenden Stellen zählen die öffentlichen Apotheken, Krankenhausapotheken sowie die ärztlichen Hausapotheken.

Ohne Zulassung kein Medikament

Ein Medikament kann nur dann auf den Markt gebracht werden, wenn es behördlich zugelassen ist. Voraussetzung für eine Zulassung ist, dass das Pharmaunternehmen den wissenschaftlichen Nachweis erbringt, dass das Medikament wirksam ist und dass dieser Nutzen für die Patienten die möglichen Nebenwirkungen übersteigt. Um diesen Nachweis zu erbringen, legen die Unternehmen Daten aus umfangreichen Labor- und vor allem klinischen Untersuchungen vor. Gesetzliche Grundlage für die Zulassung ist in Österreich das Arzneimittelgesetz (AMG).

Zulassungsverfahren

Zentrales Zulassungsverfahren

Seit 1995 gibt es in der EU ein zentrales Zulassungsverfahren. Der Vorteil liegt auf der Hand: in einem einzigen Verfahren erhalten Pharmaunternehmen Zugang zu allen Mitgliedsstaaten der EU. Sie müssen nicht mehr in jedem einzelnen Land Anträge in unterschiedlichen Sprachen und nach unterschiedlichen Anforderungen einreichen.

Dieses Zulassungsverfahren ist verpflichtend für biotechnologische Arzneimittel, Arzneimittel für neuartige Therapien, bestimmte Tierarzneimittel, Arzneimittel für seltene Leiden sowie für Humanarzneimittel mit neuen Wirkstoffen für die therapeutischen Indikationen:

  • Erworbenes Immundefizienz-Syndrom
  • Krebs
  • Neurodegenerative Erkrankungen
  • Diabetes
  • Autoimmunerkrankungen und andere Immunschwächen
  • Viruserkrankungen

Im zentralen Zulassungsverfahren erfolgt die Begutachtung und wissenschaftliche Bewertung durch die europäische Zulassungsbehörde EMA. Dabei greift sie im Sinne einer Effizienzsteigerung und Arbeitsteilung auf die Kompetenzen und Ressourcen nationaler Behörden zurück. Die für alle EU-Staaten gültige EU-Zulassung erfolgt durch die Europäische Kommission.

Verfahren der gegenseitigen Anerkennung (MRP) / Dezentralisiertes Verfahren (DCP)

Will ein Unternehmen ein Medikament nicht europaweit, sondern nur in ausgewählten EU-Staaten auf den Markt bringen (und ist das zentrale Verfahren nicht vorgeschrieben), steht ein dritter Weg zur Zulassung offen – das Verfahren der gegenseitigen Anerkennung (MRP) und das dezentralisierte Verfahren (DCP). Im MRP-Verfahren erkennen die anderen ausgewählten Staaten eine bereits existierende nationale Zulassung in einem Mitgliedsstaat an. Im DCP-Verfahren reicht das Unternehmen einen erstmaligen Zulassungsantrag gleichzeitig in mehreren, frei wählbaren, EU-Staaten ein. Jeder Mitgliedsstaat spricht am Ende der Verfahren eine nationale Zulassung aus.

Nationales Verfahren

Medikamente können in Europa auch weiterhin – wenn das zentrale Verfahren nicht verpflichtend ist – in einem nationalen Verfahren zugelassen werden. Das ist möglich für Arzneimittel, die nur in einem Land auf den Markt kommen sollen. Die Begutachtung des Zulassungsantrages wird von der Medizinmarktaufsicht AGES durchgeführt, die Erteilung der Zulassung erfolgt durch das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen.

Was wird im Zulassungsverfahren festgelegt?

  • Verbindlicher Text der "Fachinformation" (für Ärzte, Apotheker und andere Fachkreise)
  • Verbindlicher Text der "Gebrauchsinformation" (für Patienten und andere Laien)
  • Kennzeichnung (Beschriftung der Außenverpackung)
  • Rezeptpflichtstatus (Angaben, ob das Arzneimittel rezeptpflichtig oder rezeptfrei ist)
  • Distributionsweg (Apothekenpflicht, Kühltransport etc.)

 

Anforderungen bei der Zulassung

Bei innovativen Arzneimitteln oder Originalpräparaten muss der Antragsteller der Behörde ein vollständiges Zulassungsdossier vorlegen (Unterlagen und Studienergebnisse zur Präklinik und Klinik sowie pharmazeutische Daten).

Bei Generika (Nachahmerprodukte, die nach Patentablauf bzw. nach Ablauf des Unterlagenschutzes des Originalpräparates zugelassen werden) muss der Antragsteller nur einen Teil der pharmazeutischen Daten vorlegen: Generische Antragsteller sind also von einem Großteil der Erfordernisse, die ein Originalpräparat bei der Zulassung erfüllen muss, befreit. Stattdessen kann der Antragsteller eines Generikums auf die vorliegenden Daten des Originalpräparates zurückgreifen. Man spricht daher von einer "bezugnehmenden Zulassung". Diese Befreiung bewirkt eine deutlich kürzere Zulassungszeit.

Ist ein Arzneimittel nach AMG zugelassen, wird es als Arzneispezialität bezeichnet.

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