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Rund um das Arzneimittel

Rund um das Arzneimittel

Arzneimittel sind Stoffe und Zubereitungen aus Stoffen, deren Wirkung dazu dient, Krankheiten oder Beschwerden zu heilen, zu lindern, vorzubeugen oder zu erkennen.

Die Definition von Arzneimitteln ist im Arzneimittelgesetz (AMG) geregelt: Arzneimittel sind Stoffe und Zubereitungen aus Stoffen, deren Wirkung dazu dient, Krankheiten oder Beschwerden zu heilen, zu lindern, vorzubeugen oder zu erkennen. Dazu zählen auch Diagnosemittel, medizinische Flüssigkeiten und Lösungen (Infusionen), homöopathische Arzneimittel oder Arzneien, die in Apotheken zubereitet werden (magistrale Zubereitungen).

Medikamente bezeichnet das Arzneimittelgesetz als Arzneispezialitäten. Sie müssen in gleicher Zusammensetzung im Voraus hergestellt und in einer bestimmten Form unter der gleichen Bezeichnung in den Handel gebracht werden.

Als Hilfsstoffe werden alle Bestandteile eines Arzneimittels mit Ausnahme des Wirkstoffs (wirksamer Bestandteil) und des Verpackungsmaterials bezeichnet. Die Hilfsstoffe verleihen dem Arzneimittel z.B. seine Stabilität oder seinen Geschmack.

Am häufigsten werden Arzneimittel in fester oder flüssiger Form durch den Mund eingenommen. Derzeit gibt es in Österreich 9.413 zugelassene Human-Arzneimittel (Stand: 2017).

 

Arten von Arzneimitteln

Hier finden Sie eine Auflistung und Kurzbeschreibung verschiedener Arzneimittelarten.

Rezeptpflichtige Arzneimittel

Rezeptpflichtige Arzneimittel werden in den Apotheken gegen Vorlage eines vom Arzt ausgestellten Rezeptes abgegeben. Die Zulassungsbehörde bestimmt auf Basis des Rezeptpflichtgesetzes, ob ein Arzneimittel rezeptpflichtig ist. Rund 68 % aller in Österreich zugelassenen Medikamente sind rezeptpflichtig.

Rezeptfreie Arzneimittel

Rezeptfreie Arzneimittel werden in den Apotheken ohne Vorlage eines Rezeptes an den Patienten abgegeben. 2015 waren rund 32 % der in Österreich zugelassenen Humanarzneimittel (ohne Homöopathika) rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Innovative Arzneimittel

Die Entwicklung von innovativen Medikamenten ist mit hohen Forschungsausgaben der pharmazeutischen Unternehmen verbunden. Es vergehen durchschnittlich 12 Jahre bis ein neues Arzneimittel auf den Markt kommt. Der Patentschutz ermöglicht die Innovationsleistung und somit den medizinischen Fortschritt.

Durch die pharmazeutische Forschung können immer mehr Krankheiten behandelt werden. Das Ergebnis dieser Forschung sind neben neuen Präparaten auch weiterentwickelte, bekannte Arzneimittel, die die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessern, wie z.B. die Einnahme von Tabletten statt einer Spritze. Innovative Arzneimittel ermöglichen den Markteintritt für Generika nach Patentablauf.

Generika

Generika sind "Kopien" von Originalpräparaten, die nach Ablauf des Patentes am Markt angeboten werden. Der Zugriff der Generikahersteller auf die Patentunterlagen der Originalhersteller ermöglicht die Herstellung von Medikamenten ohne großen Forschungsaufwand. Das Generikum muss die gleiche qualitative und quantitative Zusammensetzung aus Wirkstoffen und die gleiche Darreichungsform aufweisen wie das Originalprodukt.

 

Biologika

Biologika sind Eiweißsubstanzen (Proteine), die mit aufwändigen gentechnischen Verfahren aus lebenden Zellen von Tier oder Mensch produziert werden. Sie können die Aktivität von im Körper natürlich vorkommenden Substanzen gezielt fördern oder blockieren und so das Krankheitsgeschehen verlangsamen oder sogar stoppen.

Biosimilars

Biosimilars sind biologische Arzneimittel, die nach Ablauf der Patentzeit eines Originalwirkstoffes zugelassen werden. Die Wirkstoffe sind jedoch nicht völlig identisch zum Originalwirkstoff und deshalb keine Generika. Im Vergleich zu Generika erfordern Biosimilars weiteren Forschungs- und Zulassungsaufwand sowie speziellere Überwachungsmaßnahmen.

Homöopathika

Homöopathische Arzneimittel werden nach dem Grundsatz Simila Similibus Curentur – "Gleiches mit Gleichem behandeln" eingesetzt. In der Praxis beobachtet der Arzt genau die Symptome des Patienten und sucht daraufhin exakt jenes Heilmittel, das die gleichen Symptome bei Gesunden hervorruft.

Homöopathika aus dem Pflanzen-, Mineral- und Tierreich verändern ihr Wirkpotenzial durch verschiedene Vorgänge wie z.B. Verdünnung mit anschließendem Schütteln oder Reiben.

Meilensteine der Arzneimittelentwicklung

Arzneimittelentwicklung im Verlauf der Jahre

2016
Erstes Medikament gegen spinale Muskelatrophie (SMA)

2015
Medikamente, sogenannte PCSK-9-Hemmer, senken den Cholesterinwert auch bei Patienten mit extrem überhöhtem Choleseterinspiegel erheblich

Medikament verringert die Sterblichkeit von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz

2013/14
Heilungschance über 90 % bei Hepatitis C durch neuartige Virostatika kombiniert mit weiteren Medikamenten

Medikamente heilen multiresistente Tuberkulose mit drei Wirkprinzipien

2013
Erster Impfstoff gegen Hirnhautentzündung durch B-Meningokokken

2012
Erste Gentherapie mit Zulassung in Industrienationen zur Linderung von Bauchspeicheldrüsen-Entzündung bei Patienten mit der angeborenen Fettstoffwechsel-Krankheit LPLD

20011/12
Lebensverlängerung bei metastasiertem Schwarzem Hautkrebs (Melanom) mit Medikamenten mit neuen Wirkprinzipien

2011
Hohe Heilungschance bei schwer therapierbarer Hepatitis C (Viren-Subtyp-1) durch neuartige Virostatika (kombiniert mit PEG-Alfa-Interferon und einem älteren Virostatikum)

2009
Erster trifunktionaler Antikörper; zur Behandlung der Bauchwassersucht bei EpCAM positiven Tumoren

2007
Medikamente mit zwei neuen Wirkprinzipien gegen HIV-Infektionen

Erstes Medikament gegen Leberkrebs

2006
Erstes Medikament zur Behandlung der seltenen Erbkrankheit Morbus Pompe

2005
Erstes Medikament, das Tumoren die Blutversorgung abschneidet

2004
Erstes Antikörperpräparat gegen Darmkrebs

2001
Erstes gezieltes Medikament gegen Chronisch myeloische Leukämie

2000
Erste Antikörpertherapie gegen Brustkrebsmetastasen

1999
Heilung von Hepatitis C
mit Medikamenten-Kombination (ein Alpha-Interferon und ein synthetisches Virostatikum)

1998
Erstes Medikament gegen Erektionsstörungen, das geschluckt werden kann

1996
Erste Dreierkombinationen von Medikamenten, die bei HIV-Infizierten den Ausbruch von AIDS um Jahre verzögern können

1993
Erstes Arzneimittel, das bestimmte Formen der Multiplen Sklerose (MS) verzögert

1987
Erstes Präparat gegen HIV/AIDS

1983
Erstes (Anti-)Hormontherapeutikum gegen das Wiederauftreten von Brustkrebs

1982
Erstes gentechnisch hergestelltes Arzneimittel auf dem deutschen & US-Markt: Humaninsulin

1980
Ausrottung der Pocken
durch Schutzimpfung gelungen

1976
Erstes entzündungsdämpfendes Asthma-Medikament (von Cortison abgeleitet)

1963
Erster Impfstoff gegen Masern

1960
Erstes Immunsuppressivum (Azathioprin), ermöglicht Organtransplantationen

Erste „Pille“ zur Empfängnisverhütung

1957/58
Erste Zytostatika gegen Leukämie (Chlorambucil) und Lungenkrebs (Cyclophosphamid)

1956
Erstes Antidepressivum (Iproniazid)

1948
Erster starker Entzündungshemmer: naturidentisches Cortison

1944
Penicillin als Medikament verfügbar

1927
Aktivimpfung gegen Tetanus

1922
Insulin zur Diabetes-Behandlung

1910
Erstes antibakterielles Präparat gegen Syphilis

1899
Acetylsalicylsäure: schmerzstillend, fiebersenkend und entzündungshemmend

1891
Erstes Medikament gegen die für Kinder meist tödliche Atemwegsinfektion Diphtherie: Diphtherie-Antiserum

1848
Chloroform zur Betäubung bei Operationen

(Quelle: vfa)

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