• Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs
  • 120 Mitgliedsunternehmen für die Arzneimittelversorgung - freiwillige, unabhängige Interessenvertretung
  • Solidarischer Partner im Gesundheitssystem

Klinische Forschung als Wachstumsmotor: Neue Daten belegen hohe Wertschöpfung für Österreich

  • NEWS
  • 08.07.2026

Medikamentenstudien generieren jährlich 174 Millionen Euro an Bruttowertschöpfung, sichern über 2.200 Arbeitsplätze und finanzieren einen Teil der jährlichen Gesundheitsausgaben. 

Wien, 9. Juli 2026 – Eine aktuelle Analyse des Instituts für Pharmaökonomische Forschung IPF zeigt, welche Bedeutung Industrie-gesponserte klinische Prüfungen zur Entwicklung neuer Medikamente haben, und zwar für den Gesundheitsstandort Österreich und die Volkswirtschaft. Gleichzeitig macht die Studie deutlich, wie sehr sich eine Stärkung dieses Bereiches für die internationale Bedeutung Österreichs und seine Wettbewerbsfähigkeit lohnen kann. Die Zahlen wurden am vergangenen Dienstag im Rahmen eines Pressegesprächs der PHARMIG, die die Studie auch beauftragt hat, publiziert. 

Das IPF hat für die im renommierten Fachmagazin Journal of Medical Economics (JME) veröffentlichte Studie den Zeitraum von 2020 bis 2024 betrachtet und die Ergebnisse einem früheren Zeitraum (2012 bis 2017) gegenübergestellt. Eine Tendenz ist dabei ersichtlich: Insgesamt nimmt die Anzahl an klinischen Prüfungen, im Zuge derer neue Medikamente entwickelt werden, ab. 

Dabei haben sie in hohem Maße positive Auswirkungen auf den Standort Österreich: Einerseits generierten sie zwischen 2020 und 2024 eine jährliche Bruttowertschöpfung von 174,05 Millionen Euro und gleichzeitig ersparten sie dem Gesundheitssystem Ausgaben in Höhe von jährlich 122,28 Mio. Euro (insgesamt 611,4 Millionen Euro im betrachteten Zeitraum), was 0,21 Prozent der jährlichen Gesundheitsausgaben entspricht. Diese Ersparnis für das öffentliche Gesundheitssystem wird deshalb erreicht, weil die pharmazeutischen Unternehmen, die diese Studien beauftragen bzw. durchführen, die Kosten für medizinische Leistungen, die während der Studiendauer anfallen, übernehmen. Dazu zählen die Prüfmedikation, Diagnostik, Therapie, administrative Leistungen und die studienbezogene Dokumentation. 

Studienautorin Evelyn Walter vom IPF hält dazu fest: „Die Ergebnisse zeigen, dass klinische Forschung weit über den Gesundheitsbereich hinaus wirkt. Jeder Euro direkter Wertschöpfung, der durch klinische Prüfungen entsteht, löst in der österreichischen Volkswirtschaft nahezu den doppelten Wert aus. Vor dem Hintergrund, dass insgesamt die Aktivitäten in diesem so wichtigen Forschungsbereich zurückgehen, sollten diese Zahlen umso alarmierender gelesen werden, nämlich dahingehend, dass wir ein großes Potenzial ungenutzt lassen, wenn dieser Bereich nicht gestärkt wird.“

Der gesamte Wertschöpfungsmultiplikator liegt gemäß der Studie bei 1,97 (1,95 in 2012-2017). Weiters entstehen pro direkten Arbeitsplatz nahezu 1,74 (1,66 in 2012-2017) zusätzliche Arbeitsplätze in der österreichischen Volkswirtschaft. „Damit erzeugt jeder direkt geschaffene Euro bzw. Arbeitsplatz heute höhere gesamtwirtschaftliche Effekte als im ersten Untersuchungszeitraum von 2012 bis 2017“, rechnet Walter vor.

Auch Dejan Baltic, Co-Chair des Standing Committee Klinische Forschung der PHARMIG, Medical Director bei Amgen GmbH und Vorstandsmitglied in der Gesellschaft für Pharmazeutische Medizin GPMed, weist auf die Bedeutung klinischer Prüfungen hin und wie wichtig es ist, diesen Bereich zu stärken: „Die Zahlen dieser Studie sind ein eindrücklicher Beleg dafür, dass klinische Forschung weit mehr ist als ein medizinischer Innovationsprozess. Sie ist ein wesentlicher Faktor für die Versorgung, die Forschungskompetenz im Land und die Wertschöpfung. Allerdings ist Österreich nicht allein auf der Landkarte. Wir konkurrieren mit vielen anderen Ländern, allein schon innerhalb Europas. Es gibt Länder, in denen die Politik schon seit Jahren eine Strategie zur Stärkung der Forschung verfolgt. Und das mit viel Erfolg. Tut Österreich nichts, wird uns irgendwann auch diese Branche verloren gehen. Die Folge sind Arbeitsplatzverluste, Verlust an Wertschöpfung und vor allem der Verlust an zeitnah verfügbaren, innovativen Therapien, wenn wir zunehmend von anderen Ländern abhängig sind, wo diese neuen Therapien dann entwickelt werden.“ 

Für Baltic ist das Potenzial für Österreich noch lange nicht ausgeschöpft: „Dank einer exzellenten Infrastruktur und vieler höchst engagierter Fachkräfte in Forschungs- und Gesundheitseinrichtungen ist Österreich grundsätzlich ein hervorragender Standort, um hier neue Medikamente zu entwickeln. Wenn wir es, mit Blick auf andere europäische Länder, an die Spitze schaffen wollen, brauchen wir aber ein klares politisches Bekenntnis zu Forschung und Innovation.“ 

Die IPF-Erhebung soll argumentativ ein solches politisches Bekenntnis fördern: Neben den bereits erwähnten Wertschöpfungseffekten und dem Beitrag zu den jährlichen Gesundheitsausgaben zeigt die Studie, dass von 2020 bis 2024 im Durchschnitt jährlich 2.314 Patient:innen in 463 klinischen Prüfungen behandelt wurden, was über den gesamten Zeitraum 11.570 Patient:innen in 782 Studien ausmacht. Damit haben eine große Anzahl an Personen sehr frühen Zugang zu innovativen Therapien, was ein wichtiges Kriterium für die Qualität einer Gesundheitsversorgung ist. 

Kathrin Strasser-Weippl, Leiterin des Tumorzentrums Oberösterreich und Medizinische Leiterin der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (OeGHO), argumentiert beim Pressegespräch aus Sicht einer Forscherin und Anwenderin von innovativen Therapien und geht zudem auf die Perspektive von Betroffenen ein: „Für Patientinnen und Patienten bedeutet klinische Forschung einen zentralen Zugang zu medizinischem Fortschritt. Speziell auch in der Onkologie machen klinische Studien innovative Therapien früher verfügbar. Hinter den Zahlen stehen daher ganz konkrete Chancen: bessere Behandlungsmöglichkeiten, längere Überlebenszeiten und vielfach mehr Lebensqualität. Klinische Forschung muss deshalb stärker als Teil der Versorgung verstanden werden und nicht als Zusatz, der nebenher passiert.“ 

Klinische Forschung stärkt jedoch nicht nur die Versorgung der Patient:innen. Sie schafft auch wissenschaftliches Know-how, internationale Vernetzung und zusätzliche Ressourcen an den Prüfzentren. Die Zusammenarbeit mit der pharmazeutischen Industrie erspare laut Strasser-Weippl zudem den Spitälern und Forschungseinrichtungen einen gewissen Teil ihrer Ausgaben, weil die sponsernden Unternehmen die Kosten, die im Zuge klinischer Prüfungen anfallen, übernehmen.

Zuletzt ergänzt Bernhard Mraz, ebenfalls Co-Chair des Standing Committee Klinische Forschung der PHARMIG, Medical Director bei Novartis Pharma GmbH und Präsident der Gesellschaft für Pharmazeutische Medizin (GPMed): „Die Ergebnisse der IPF-Analyse zeigen, dass klinische Forschung nicht nur gesundheitspolitisch, sondern auch wirtschafts- und standortpolitisch von strategischer Bedeutung ist. Einige EU-Länder verfolgen längst gezielte Strategien zur Positionierung als Forschungsstandort. Eine Life-Sciences-Strategie, die entsprechend aufgesetzt ist und dann auch umgesetzt wird, kann das auch für Österreich erreichen. Nur wenn wir Studieninfrastruktur, Digitalisierung, effiziente Prozesse und internationale Wettbewerbsfähigkeit konsequent stärken, können wir im globalen Wettbewerb um Forschungsprojekte in Zukunft bestehen.“

Die IPF-Studie wurde im Journal of Medical Economics JME veröffentlicht und ist hier abrufbar: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13696998.2026.2678777#abstract

Rückfragehinweis
PHARMIG – Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs
Head of Communications & PR
Peter Richter, BA MA MBA
+43 664 8860 5264
peter.richter@pharmig.at

Share

disrupter-icon

Aus- und Weiterbildung in der Pharmaindustrie

Die PHARMIG Academy bietet praxisnahe Weiterbildung für die Pharma- und Life-Sciences-Branche in Österreich. Im Fokus stehen Kurse und Lehrgänge für Fach- und Führungskräfte der Industrie.

>> Zertifikatslehrgang „Compliance schützt“ jetzt entdecken

disrupter-icon

Kompass durch die Patientenrechte

Der Ratgeber
"IHR RECHT ALS PATIENT:IN"
begleitet Sie von der Diagnosestellung über Behandlung und Therapie bis hin zur Nachsorge durch das österreichische Gesundheits- und Sozialversicherungssystem und klärt Sie über Ihre Rechte als Patient:in auf.

Die Broschüre ist auch als gedruckte Version bestellbar - hier geht's zum Download bzw. zum

Bestellformular