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Effizienzstudie: schuldig sind die anderen

  • NEWS
  • 25.08.2017

Studie rechtfertigt scheinbar das eigene Weiterwursteln. Die wirklichen Reformen bleiben am Papier.

Wien, 25. August 2017 – „Eine Menge Steuergeld wurde ausgegeben, um sich selbst darin zu bestätigen, dass alles so bleiben darf wie es ist. Wenn man es ehrlich meinen würde, würde man sich endlich auch an die Strukturen wagen“, kommentiert Dr. Jan Oliver Huber, Generalsekretär der Pharmig, die Aussagen der Auftraggeber der Studie zu den Effizienzpotenzialen der österreichischen Sozialversicherung. „Leistungen zu harmonisieren, die Qualität im Spitalswesen zu verbessern und Präventionsförderung sind sicherlich der richtige Weg, aber das können für die Politik nicht die einzigen Handlungsableitungen aus der 630.000 Euro teuren Studie sein. Dass man jetzt darauf pocht, die Zusammenarbeit innerhalb der Krankenversicherungen zu stärken, ist ein Hohn. Man darf doch wohl davon ausgehen, dass das Management der Sozialversicherung und der Krankenkassen diese Zusammenarbeit ohnehin im Auge hat. Das ist ein Schlag ins Gesicht, eine Beleidigung des Intellektes der österreichischen Bevölkerung. Es ist zu hoffen, dass sich die Verantwortlichen noch eingehender mit der Studie auseinander setzen, Mut beweisen und nicht nur auf schnelle, sichtbare Gewinne setzen“, so Huber.

Für Pharmig-Präsident Mag. Martin Munte wirft die Verzögerung der Studie generell die Frage auf, ob ihr in dieser Zeit nicht sogar die Kanten abgeschliffen wurden, um in Zeiten des Wahlkampfes etwaigen Kontrahenten nicht auch noch ein willkommenes Futter zu liefern. „Beim ersten Durchsehen zeigt die Studie durchaus weitreichende Verbesserungsmöglichkeiten auf. Geeinigt hat man sich aber auf das einfachste Modell, nämlich im Rahmen des bestehenden Systems Verbesserungen zu schaffen. Die seit Jahren von vielen Seiten kritisierten komplexen und fragmentierten Strukturen des österreichischen Gesundheitswesens bleiben unangetastet“, so der Pharmig-Präsident.

Zu den Kritikfeldern in der Studie zählen unbegründeter weise abermals die Arzneimittelausgaben. Hier werden hohe Steigerungen bei den Pro-Kopf-Ausgaben erwähnt. Dazu Huber: „Diese Darstellung ist so nicht richtig. Hier wird manipuliert, um einen Sündenbock zu finden, und das ist wieder einmal die pharmazeutische Industrie. Selbst die Europäische Kommission stellt im Zuge ihres Country Reports die Ausgaben für Arzneimittel in Österreich nicht zur Diskussion.“

Richtig ist jedenfalls, dass durch eine hohe Generikaquote, sprich durch einen hohen Anteil an verordneten Generika, Einsparungen erzielt werden können. Bereits heute entfällt mehr als jede zweite Verordnung auf ein Nachahmerprodukt, gleichzeitig herrscht eine strikte Generikapreisregelung, auf Grund derer der Preis des Originalproduktes ebenfalls auf das Niveau des Generikums zu senken ist. Wie die Studie bestätigt, ermöglichen die auf diesem Weg erzielten Einsparungen einen Ausgleich in der Finanzierung von innovativen Arzneimitteln, etwa Onkologika. Diese leistungsstarken Arzneimittel helfen letztlich auch, dem Gesundheitssystem Geld zu sparen, zum Beispiel durch vermiedene oder zumindest verkürzte Spitalsaufenthalte oder auch durch die Möglichkeit der ambulanten Behandlung. „Dadurch kann der stationäre Bereich entlastet werden, der mit 38,4 Prozent den größten Teil der Gesundheitsausgaben ausmacht“, verdeutlicht Huber. Mit der verstärkten Verlagerung von Behandlungen vom stationären in den ambulanten Bereich käme es auch zu einer wesentlichen Stärkung des niedergelassenen Sektors.

Klar ist, dass die durch die Studie erfolgte Beurteilung der heimischen Verwaltungskosten nicht über die weiterhin erforderlichen, tiefgreifenden System- und Strukturänderungen hinwegtäuschen darf. „Unserem Gesundheitssystem mangelt es an Effizienz vor allem aufgrund des sehr großen Spitalssektors und der unzureichend genutzten ambulanten Versorgung. Zudem trägt die zersplitterte Organisations- und Finanzierungsstruktur nicht zur Kosteneffizienz bei. Das wissen alle Beteiligten, und das seit Jahren“, ist Munte überzeugt.

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