• Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs
  • 120 Mitgliedsunternehmen für die Arzneimittelversorgung - freiwillige, unabhängige Interessenvertretung
  • Solidarischer Partner im Gesundheitssystem

Wenn Vergleiche mehr verwirren als erklären

Wenn Vergleiche mehr verwirren als erklären
  • KOMMENTAR
  • 21.08.2026

Zahlen wir in Österreich mehr für Arzneimittel als die Bevölkerung in Schweden? Und wenn ja, für welche Arzneimittel und warum? Und was sagt das über die tatsächlichen Preise in Österreich im Verhältnis zum Einkommen aus? Und warum vergleicht man die hiesigen Preise gerade mit jenen in Schweden? Verdienen die Schwedinnen und Schweden gleich viel wie in Österreich? Herrschen in Schweden ähnliche Preis- und Erstattungsregelungen wie hierzulande?

Es wäre kein Fehler, all diese Fragen zu klären, wenn man öffentlich über das Preisniveau von Medikamenten spricht und dies anhand eines Ländervergleichs einzuordnen versucht, wie es vor einigen Wochen geschehen ist. Passiert das nicht, besteht die Gefahr, dass ein verzerrtes Bild generiert wird. Aber vielleicht hat man das in besagtem Fall ja auch bewusst in Kauf genommen.

Durch den jüngst veröffentlichten Heilmittelreport sollte einmal mehr gezeigt werden, dass wir in Österreich weit mehr für Arzneimittel bezahlen als dies die Menschen in anderen Ländern tun – ja sogar mehr als in Schweden, das beim Bruttoinlandsprodukt ziemlich gleichauf mit Österreich liegt. 

Nur: Die Darstellung verzerrt (bewusst?) die Realität. Durch die Auswahl eines einzelnen Vergleichslandes werden die besonderen Rahmenbedingungen des österreichischen Systems ausgeblendet. Hinzu kommt, dass der erwähnte Vergleich auf Listenpreisen beruht, ohne Rabatte und Rückzahlungen seitens der Industrie in die Berechnung mit einzubeziehen. Fakt ist und bleibt, dass die Arzneimittelpreise in Österreich sowohl im patentgeschützten als auch im generikafähigen Markt nahe am EU-Durchschnitt sind. 

20260715 Grafiken AM Ausgaben RGB

Quelle: IQVIA und TLV

Fakt ist und bleibt genauso auch, dass wir im niedergelassenen Bereich generell mit einem Preisniveau konfrontiert sind, bei dem sich die Unternehmen immer wieder die Frage stellen müssen, ob sie ihre Produkte zu diesen Preisen überhaupt noch in der Versorgung halten können. Wir sind kein Hochpreisland, ganz im Gegenteil. Daran ändert auch ein Vergleich mit Schweden nichts.

Wenn sich in der Haltung gegenüber den so wichtigen Beiträgen, die die Medikamente für die Bevölkerung und unsere Volkswirtschaft leisten, ändert, schadet das unserer Versorgung und unserem Standort. Wir werden immer abhängiger werden von anderen Produktionsstätten und wir werden als Markt immer unbedeutender. Medikamente sind eine Investition in die Gesundheit und in die Leistungsfähigkeit der Bevölkerung. Sie sind eine Investition in die Wirtschaft, wenn Menschen wieder arbeitsfähig sind, ein Krankheitsausfall oder ein Krankenhausaufenthalt auf ein Minimum reduziert wird oder Angehörige keinen Pflegeurlaub mehr nehmen müssen, weil kranke Kinder, Großeltern usw. wieder gesund sind.

Der konsequente Blick auf Medikamente als Kostenfaktor hat zuletzt in Deutschland dazu geführt, dass dort eine Reihe von, wie es das Handelsblatt formuliert, „Zumutungen für die Wirtschaft“ beschlossen wurden. Österreich zählt zu den wirtschaftlich stärksten Ländern Europas und verfügt trotzdem über besonders strenge Preisregelungen für Arzneimittel. Wird gerade bei dieser so wichtigen Säule der Gesundheitsversorgung permanent der Sparstift angesetzt, wird uns das langfristig teuer kommen. Das ist gewiss.

  • Mag. Alexander Herzog
    Mag. Alexander Herzog
    Secretary General

Share

disrupter-icon

Aus- und Weiterbildung in der Pharmaindustrie

Die PHARMIG Academy bietet praxisnahe Weiterbildung für die Pharma- und Life-Sciences-Branche in Österreich. Im Fokus stehen Kurse und Lehrgänge für Fach- und Führungskräfte der Industrie.

Der zweitägige englischsprachige Kurs „Foundations of Drug Safety and Pharmacovigilance“ bietet einen praxisnahen Einstieg in die Arzneimittelsicherheit und Pharmakovigilanz – ideal für Fachkräfte im Bereich PV und angrenzenden Funktionen.

>> Details und Anmeldung: Foundations of Drug Safety and Pharmacovigilance

disrupter-icon

Kompass durch die Patientenrechte

Der Ratgeber
"IHR RECHT ALS PATIENT:IN"
begleitet Sie von der Diagnosestellung über Behandlung und Therapie bis hin zur Nachsorge durch das österreichische Gesundheits- und Sozialversicherungssystem und klärt Sie über Ihre Rechte als Patient:in auf.

Die Broschüre ist auch als gedruckte Version bestellbar - hier geht's zum Download bzw. zum

Bestellformular