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Gebarungsvorschau ohne Angstmache

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  • 18.08.2020

Gebarungsprognose der Krankenkasse wird immerzu mit Kritik an den Medikamentenpreisen verbunden. Österreich gilt aber gleichzeitig als Niedrigpreisland bei Arzneimitteln.

Zu den gestern verlautbarten Zahlen des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger zur Gebarung der Österreichischen Gesundheitskasse ÖGK und einem erwarteten Anstieg bei den Medikamentenausgaben stellt Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG, klar: „Die für heuer prognostizierte Steigerung bei den Ausgaben für Medikamente ist noch alles andere als verlässlich oder präzise. Umso weniger verständlich ist es, warum die Vorsitzende der Konferenz der Sozialversicherungsträger Ingrid Reischl hier von ‚besorgniserregend‘ spricht. Anstatt unnötigerweise Panik zu verbreiten, darf ich die Vorsitzende mit ihren eigenen Worten zitieren und zur Sachlichkeit in der Debatte um die Gebarung der Krankenkassen aufrufen.“

Einfache Fakten würden, so Herzog, diese Sachlichkeit unterstützen, denn im Zeitraum von 2010 bis 2018 sind die jährlichen Ausgaben bei den Arzneimitteln lediglich um durchschnittliche 2,8 Prozent gestiegen. „Also weit weniger als die jüngst postulierten 4,7 Prozent“, verdeutlicht Herzog. In dieser moderaten jährlichen Steigerungsrate sind zudem noch gar keine Rabatte, Vereinbarungen oder Einnahmen durch Solidarbeiträge berücksichtigt, die diese Steigerungsrate zusätzlich senken.

Nicht nur die Sozialversicherung, auch die Unternehmen stehen seit Ausbruch der Corona-Krise vor besonderen Herausforderungen. Es sei, so Herzog, auch für die Wirtschaft kaum Planungssicherheit gegeben. „Die Unternehmen versuchen trotz aller Unsicherheiten und Probleme ihre Produkte am Markt zu halten, was bei den in Österreich herrschenden Arzneimittelpreisen ohnehin schon schwierig ist“, so Herzog. Trotzdem kämen sie ihrer Aufgabe bestmöglich nach, nämlich lebenswichtige und notwendige Therapien zu entwickeln, zu produzieren und sie dem Gesundheitssystem zur Verfügung zu stellen.

Wenn heuer bei den Arzneimittelausgaben seitens der Sozialversicherung tatsächlich Steigerungen zu verzeichnen waren, so ist dies auf die zu Beginn der Krise getätigten Hamsterkäufe zurückzuführen. Denen gegenüber stehen gleichzeitig Umsatzeinbußen von bis zu zehn Prozent bei einzelnen pharmazeutischen Unternehmen aufgrund der reduzierten Patientenaufkommen in den Ordinationen und teilweise reduzierten Versorgung vieler chronisch Kranker. „Erst seit Juli sehen wir so etwas wie eine Normalisierung. Daher ist eine seriöse Prognose aufgrund der Ausnahmesituation unmöglich und es sollte hier mit Bedacht kommuniziert werden“, mahnt Herzog.

Der gesamte Arzneimittelmarkt in Österreich ist, was die Preisbildung betrifft, äußerst stark reglementiert. Der Preis von knapp der Hälfte der erstattungsfähigen Produkte liegt mittlerweile unter der Rezeptgebühr und dieser Anteil steigt. Durch die jährliche Anhebung der Rezeptgebühr zahlen sich damit die Patienten immer mehr Medikamente selbst und es steigen damit auch die Erlöse der Sozialversicherung aus den Selbstbehalten, die sich derzeit auf über 400 Mio. Euro belaufen. Hinzu kommen Einsparungen durch das 2017 eingeführte Preisband. Dieses legt fest, dass innerhalb eines Wirkstoffes der Preis der erstattungsfähigen Arzneimittel in einem bestimmten Spektrum liegen muss, andernfalls die Produkte nicht von den Kassen erstattet werden. Außerdem gibt es die Regelung, dass der Preis eines neu in den Erstattungskodex aufzunehmenden Produktes nicht höher sein darf als dessen EU-Durchschnittspreis. „All das führt dazu, dass Österreich mittlerweile als Niedrigpreisland bei den Arzneimitteln gilt“, so Herzog.

Dreht man weiter an der Preisspirale, hat das wirtschaftliche wie versorgungsrelevante Nachteile. Sinkende Preise erhöhen die Abhängigkeit von anderen Ländern und führen vereinzelt dazu, dass bewährte Produkte gänzlich vom Markt verschwinden, weil sich ihr Vertrieb nicht mehr lohnt.

„Gleichzeitig sehen wir immer wieder den Markteintritt von innovativen Arzneimitteln und das ist auch gut so. Ihr Preis ist angesichts ihrer Leistungsfähigkeit auch angemessen, denn man muss sich nur vor Augen halten, dass damit Patienten geheilt werden können oder dass deren Lebensqualität dadurch enorm verbessert werden kann. Zudem ersparen sie dem Gesundheitssystem Kosten, indem Langzeittherapien und Krankenhausaufenthalte vermieden oder verkürzt werden. Leider vermisse ich die Bereitschaft, diesen Nutzen auch anzuerkennen, den innovative Therapien für die Betroffenen und für die Wirtschaft leisten“, so Herzog.

Rückfragehinweis
PHARMIG – Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs
Head of Communication & PR
Peter Richter, BA MA MBA
Tel. 01/40 60 290-20
peter.richter@pharmig.at
pharmig.at

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