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Sommermärchen über Preisexplosion bei Arzneimitteln

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  • 30.06.2017

Wien, 30. Juni 2017 –„Aussagen über angeblich steigende Arzneimittelpreise und –ausgaben, die im Zuge einer Veranstaltung gemacht wurden, sind in keiner Weise nachvollziehbar und entbehren jeglicher Realität“, entgegnet Dr. Jan Oliver Huber, Generalsekretär der Pharmig auf eine Aussendung zu einer Veranstaltung des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit und Frauen sowie dem European Health Forum Gastein.

„Man versucht bewusst, Panik zu schüren und spricht von explodierenden Arzneimittelkosten und unrealistischer Preisbildung. Die Arzneimittelausgaben sind aber keineswegs aus dem Ruder gelaufen“, so Huber. Vielmehr sind sie zuletzt weniger stark gestiegen als prognostiziert: Statt dem vom Hauptverband angenommenen Plus von bis zu 10 Prozent fand 2016 de facto gar keine Steigerung statt. Zudem liegen die österreichischen Arzneimittelpreise im europäischen Vergleich um 1,4 % unter dem Schnitt der EU-15. „‘Exorbitante Ausgabensteigerungen‘ ist eine Diktion des Hauptverbandes, die sachlich nicht hält. Weil auch laut den OECD-Daten der Anteil der Arzneimittelausgaben an den gesamten Gesundheitsausgaben in den letzten Jahren stabil geblieben ist“, so Huber. Die Krankenkassen in Österreich ihrerseits weisen seit dem Jahr 2009 laufend eine positive Gebarung aus und haben darüber hinaus massive Millionenbeträge in die Reserven gesteckt, die in ihrer Gesamtheit mittlerweile fast 3 Mrd. Euro ausmachen.

Die Arzneimittelpreise in Österreich werden auch nicht, wie behauptet, einfach von den Herstellern diktiert, sondern sie werden in gemeinsamen Verhandlungen zwischen dem Hersteller und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger ausverhandelt, und zwar nach einer medizinischen, pharmakologischen und gesundheitsökonomischen Evaluation, die durch Experten erfolgt. „Wobei der Hauptverband hier zweifellos als Monopoleinkäufer die deutlich stärkere Verhandlungsposition hat und letztlich er die Preise diktiert“, spezifiziert Huber.

Es ist übrigens nicht so, dass die pharmazeutischen Unternehmen den Behörden essenzielle Preisinformationen vorenthalten, wie es im Zuge der Veranstaltung ebenfalls hieß. Denn per Gesetz ist der maximale Preis eines Medikamentes der EU-Durchschnittspreis aller 28 EU-Länder. Damit dieser festgestellt werden kann, haben die Unternehmen die Preise in den einzelnen Ländern der Preiskommission im BMGF zu melden. Gerade diese Feststellung des EU-Durchschnittspreises ist durch die letzte ASVG-Novelle massiv verschärft worden. „Nach diesen Einschnitten immer noch gegen eine Industrie zu wettern, die 18.000 Mitarbeiter stellt, die einen Exportüberschuss generiert, die Forschung und Entwicklung fördert, die zudem die Krankenkassen mit Solidarbeiträgen in dreistelliger Millionenhöhe unterstützt, ist absolut nicht nachvollziehbar und kann nur von eigenen Versäumnissen ablenken“, ist Huber überzeugt. Es sei gewiss im Interesse aller, dass die soziale Krankenversicherung weiterhin eine wichtige Rolle in der Versorgung der österreichischen Bevölkerung spielt. Das gelte aber nicht nur für die Finanzierbarkeit dieser Institution, sondern auch dafür, dass deren Strukturen und Prozesse den heutigen bzw. auch morgigen Anforderungen entsprechen sollten und damit reformiert gehören.

Für Huber ist die Aussage einer weiteren Expertin darüber, dass nur 50 Prozent der neu zugelassenen Arzneimittel einen Zusatznutzen aufweisen würden, ebenfalls nicht haltbar und de facto eine Beleidigung der Expertinnen und Experten der nationalen Zulassungsbehörden. Zum Vorwurf, dass sich die pharmazeutische Industrie selbst diese Behörden finanziert, sagt Huber: „Auch ich sehe hier einen Systemfehler, denn die pharmazeutische Industrie in Österreich leistet genügend Steuern. Wir sind ebenfalls der Ansicht, dass die Finanzierung der Zulassungsbehörden aus dem allgemeinen Steuertopf zu erfolgen hat. Wir suchen uns das nicht aus, vielmehr wird die pharmazeutische Industrie bislang per Gesetz dazu gezwungen.“

Die pharmazeutische Industrie in Europa hat im Jahr 2014 30,5 Milliarden Euro in die biopharmazeutische Forschung investiert, gegenüber nur 1,7 Milliarden Euro an öffentlichen Forschungsgeldern in diesem Bereich. Die pharmazeutischen Unternehmen sind ein wesentlicher Treiber medizinischen Fortschrittes und haben eine eindrucksvolle Leistungsfähigkeit dargelegt, wie sich das aus den Verlängerung von Lebensjahren unter anderem bei Krebserkrankungen oder gerade die Heilung einer bis dato schwer heilbaren Krankheit wie Hepatitis C zeigt. Gerade das beweist, dass die Industrie in den richtigen Feldern forscht und neue Therapien entwickelt.

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