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Von der Langfristigkeit und dem Pharma-Paradoxon

Von der Langfristigkeit und dem Pharma-Paradoxon
  • KOMMENTAR
  • 26.11.2019

Die Pharmabranche ist eine besondere Branche – und das in vielerlei Hinsicht. Mich überrascht es immer, wie kontroversiell die Branche gesehen wird. Für mich ist es jene Industrie, die neben der Nahrungsmittel-Branche die wichtigsten Produkte für die Menschheit herstellt. Dennoch oder gerade deswegen kämpft sie mit besonderen Bedingungen.

Forschung, Entwicklung und Zulassung sind ein jahrelanger Weg. Wir brauchen einen längeren Atem als alle anderen. Diese Zeit – von der Idee hin zum Produkt – muss überbrückt, finanziert werden. Um dies zu ermöglichen, brauchen wir eine Planungssicherheit. Wir benötigen eine Stabilität der Rahmenbedingungen durch eine, wie wir es nennen, „Entfristung der ASVG-Bestimmungen“. Was wir damit meinen: die Mechanismen für die Preisfestsetzung können dann Planbarkeit schaffen, wenn sie nicht befristet und also nicht zeitlich begrenzt gültig sind. Das nützt weder dem Zahler noch uns als Industrie etwas. Außerdem ist die jetzt noch immer bestehende Möglichkeit des jederzeitigen Verlusts des Erstattungsstatus für die Unternehmen ein schwieriger Faktor.

Zudem braucht es für die gesicherte Versorgung von Patienten mit Arzneimitteln mehr Transparenz in der Versorgungskette, eine Meldepflicht von Exporten und die Option für einen temporären Parallelhandel-Stopp im Falle von Lieferschwierigkeiten.

Ein weiteres wichtiges Anliegen ist für mich die Index-Anpassung von Arzneimittelpreisen unter der Rezeptgebühr. Ja, ich nenne es das Pharma-Paradoxon. Ein Pharma-Unternehmen verhandelt im Zuge der Aufnahme in den Erstattungskodex einen Preis. Dieser muss zunächst einmal unter dem EU-15-Durchschnitt liegen. Ab dem Eintritt eines Generikums beginnt die Abwärtsspirale durch die Generika-Preisregelung. Unten angekommen, darf der Preis nicht einmal an die Inflationsrate angepasst werden. Gleichzeitig werden aber Lohnkosten, Transportkosten, Rohstoffe, Steuern und alles andere teurer und teurer. Vernünftiges Wirtschaften ist da nicht mehr möglich. Und ich denke, dass mir hier jeder wirtschaftlich denkende Mensch recht gibt.

Das sind einige Punkte der Forderungen, die wir für den Gesundheitsstandort formuliert haben. Details und weitergehende Informationen gibt es hier: https://www.pharmig.at/der-verband/politik/

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Mag. Alexander Herzog
    Mag. Alexander Herzog
    Secretary General

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